Geschichte des Ortsteil Holzkirchen
  und seines Weilers Speckbrodi
 

Der Name des Ortes Holzkirchen deutet auf einen christlichen Ursprung hin. Allerdings weisen mehrere Fundstücke auf eine weit frühere Besiedelung hin. Aus vorgeschichtlicher Zeit ist ein Grab im Meierfeld aufgefunden worden sowie ein Hengstschädel aus der Keltenzeit. Auch die Römer hinterließen ihre Spuren: Auf den Steinäckern stand ein römischer Gutshof und ein Stück einer Römerstraße führte mitten durch den heutigen Ort.
Blick aus Westen auf Holzkirchen,
im Hintergrund das Weiler Speckbrodi
und rechts in den Wiesen die St.-Peter-und-Paul-Kirche.

Die namensgebende St.-Peter-und-Paul-Kirche stand zur Zeit der Ortsgründung wahrscheinlich tatsächlich am Holz, d.h. am Wald. Man geht davon aus, dass sich das Waldgebiet östlich bis an die Wörnitz, den ortsbegrenzenden Fluss, heran erstreckte. Eine Grabung im Fußboden der Kirche legte ein Skelett frei, welches durch die Art und Umstände der Beisetzung des Toten folgende Vermutung nahelegt: Bei dem Toten handelt es sich um einen geachteten iro-schottischen Mönch, der das erste Bethaus an dieser Stelle noch vor 650 n.Chr. aufgebaut hat.

Die allererste gesicherte Erwähnung Holzkirchens stammt aus dem Jahr 836 als ein Reliquienzug von Solnhofen zum Kloster Fulda in Holzkirchen ("Holzkiricha gelegen in Alemannien") einen Aufenthalt hatte. Es wird angenommen, dass der Ort zuvor als Königsgut ein Eigentum des fränkischen Königs war. Danach wechselte der Besitz Holzkirchens vom Kloster Fulda zu Solnhofen. Aus den überlieferten Schriftstücken lässt sich folgern, dass Holzkirchen im Mittelalter ein bedeutender Ort - Reichsgut, später Reichsmarkt und Stadt ("stetlin": kleine Stadt) war. Nach längerer Abhängigkeit von Solnhofen in Zeiten des Mittelalters geriet Holzkirchen unter die Herrschaft der Oettinger. Im 14. Jahrhundert zählte Holzkirchen circa 400 Einwohner. Das offizielle Marktprivileg aus dem Jahr 1418 gewährte Holzkirchen die Abhaltung von vier Jahrmärkten über das Jahr hinweg. 1444 wurde Holzkirchen an die Stadt Nördlingen verkauft und 1484 wieder zurück an die Oettinger gegeben. Unter Graf Ludwig XV. wurde Holzkirchen protestantisch. 1546 wurden die Truppen der Protestanten, die im Schmalkaldischen Bund geeint waren, von Kaiser Karl V. vertrieben.

Der dreißigjährige Krieg (1618-1648) brachte auch über die Bevölkerung Holzkirchens großes Unheil. Auch die um 1200 neu errichtete romanische Kirche wurde dabei zerstört. Etwa 2000 protestantische Emigranten aus dem Ländlein ob der Enns (Österreich) wanderten seit dem Ende des Krieges zu ihren Glaubensgenossen ins Ries ein. Dadurch stellten sie in Holzkirchen etwa ein Viertel der damaligen Einwohner. 14 ländlerische Hochzeiten von 1642-1674 sind dabei Zeugnisse für diesen Bevölkerungswandel.

1723 -1739 musste Holzkirchen den großen Zehent an das Kloster Zimmern abgeben. Als Fürst Albrecht Ernst von Oettingen-Oettingen 1731 starb, fiel das Dorf an die katholische Linie Oettingen-Spielberg, von der es nach Beschwerden an die toleranteren Oettingen-Wallersteiner abgetreten wurde. Um 1800 war Holzkirchen noch ein Markt, hatte 62 Häuser und war dem Oberamt Alerheim zugehörig. Das Dekanat Alerheim war bis 1740 für die Holzkirchner zuständig, bevor dies von Oettingen übernommen wurde. Das Patronat hatte Oettingen-Wallerstein inne. Im Zuge der Mediatisierung wurde das Fürstentum Oettingen-Wallerstein in das Königreich Bayern aufgenommen. Unter der bayerischen Regierung wurde die Wehrpflicht und eine Bürgerwehr für alle Städte und Märkte zur Pflicht. Die Aufwendungen dafür schienen den Holzkirchnern zu hoch, sodass sie lieber das Marktrecht aufgaben und ein einfaches Dorf wieder wurden. In der Zeit von 1806-1837 gehörte das Ries dem Rezatkreis Ansbach an. Ausgenommen waren davon die Jahre 1810-1817, in denen Holzkirchen Eichstätt unterstellt war. Ab 1837 befand das Dorf sich unter der Verwaltung von Schwaben und Neuburg.

Der erste Weltkrieg forderte das Leben von 18 Holzkirchner ein. Im zweiten Weltkrieg blieben zusammengerechnet mit den Anverwandten der aufgenommenen Heimatvertriebenen 25 Männer auf dem Schlachtfeld, 12 gelten als vermisst. 1945/1946 sind 98 Heimatvertriebene aus Ober- und Niederschlesien in Holzkirchen registriert. Zahlreiche weitere fanden in der folgenden Zeit im Dorf eine Bleibe. Auch 78 Evakuierte sind auf Grund der Bombenangriffe in Holkzkirchen untergekommen, darunter auch eine komplette Schulklasse aus dem Rheinland.

Das Dorf blieb bis 1978 eigenstšndig, als es durch die Neuordnung der Gemeinden in die Großgemeinde Wechingen eingegliedert wurde.

 

Speckbrodi

Luftbild aus dem Jahr 1957 auf Speckbrodi
Schon immer gehörte das einen Kilometer entfernte Weiler Speckbrodi zu Holzkirchen. Sein ungewönlicher Name leitet sich zum einen vom mittelhochdeutschen Wort speke ab, das Knüppelbrücke oder Knüppeldamm bedeutet. Der andere Teil rührt entweder vom ebenfalls mittelhochdeutschen brodi (schwach, gebrechlich) oder vom slawischen brod (Furt) her. Slawische Wanderungen um etwa 600 n.Chr. lassen die letztere Herleitung auch als möglich erscheinen. Die Brücke bzw. der Damm machten ein sumpfiges Gebiet begehbar.

In der Nähe von Speckbrodi gibt es prähistorische Funde (handbearbeitete Scherben, Steinbeile und eine Pfeilspitze) aus der Jungsteinzeit (2000 v. Chr.). Als weitere Siedlungshinweise aus vorgeschichtlicher Zeit gibt es im Bruckfeld Funde aus der Hallstattzeit (ca. 500 v.Chr.) und Hügelgräber im Wald hinter Speckbrodi. Nachweislich befanden sich schon zur Urnenfelderzeit (ca. 800 v.Chr.) erste Siedler im Bruckfeld. Aus der La-Tène-Zeit (ca. 500 v.Chr.) kommen die meisten Funde, so auch der Grundriss eines keltischen Hauses.

Erstmals schriftlich benannt wurde Speckbrodi im Jahre 1363 durch eine Urkunde, die Kaiser Karl IV in Nürnberg am 13. März dieses Jahres unterzeichnet hatte. Im Jahr 1366 wies es 17 Häuser auf. Es war wie Holzkirchen, dem Grafen von Oettingen unterstellt.

 


Anmerkung: Eine ausführlichere Beschreibung zur Ortsgeschichte ist nachzulesen in Gerhard Beck/Hermann Greiner, Holzkirchen im Ries, Ortschronik 2008, erhältlich bei der Gemeinde Wechingen.